Zur 26. UN Klimakonferenz in Glasgow – Sehr bescheidene Fortschritte  

Noch ist die 26. UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow, international bekannt als COP26[1], nicht beendet (sie geht bis zum 12. November), doch die Urteile über sie wurden längst gefasst. Die Regierungschef haben sich getroffen, nun befinden sich die jeweiligen Experten aus allen Ländern in der Diskussion über Details – sowie Interpretationen der Aussagen ihrer Regierungschefs.

Betrachten wir die wesentlichen Vorbedingungen und Vorbereitungen der Konferenz, so wird klar, dass die Erwartungen nicht zu hoch waren:

  • Ende Februar annoncierte das UN-Klimasekretariat nach der Auswertung 48 nationaler Klimapläne gemäss dem Pariser Abkommen, dass zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu einem grossen Teil sehr umfangreiche Nachbesserungen notwendig sind.
  • In einer zweitägigen virtuellen Gipfelkonferenz Ende April berieten auf Einladung von US-Präsident Joe Biden vierzig führende Politikerinnen und Politiker über Klimapolitik, darunter die Regierungschefs der 17 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Konkrete Vereinbarungen gab es keine, obwohl US-Präsident Biden umfassende und wortgewaltige Ankündigungen für sein eigenes Land machte.
  • Anfang Mai fand der 12. Petersberger Klimadialog mit Umweltministern und anderen Regierungsvertretern aus rund 40 Staaten statt. Es gab – wie immer wenig konkrete – Apelle zur Verstärkung vor allem der finanziellen Anstrengungen. Konkrete Vereinbarungen gab es jedoch wiederum keine.
  • Unmittelbar vor Beginn der COP26 fand in Rom der G20-Gipfel statt, mit der x-ten Verständigung der Teilnehmenden zur Wichtigkeit des 1,5-Ziels von Paris. Konkrete Massnahmen wie ein Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kohle oder das Kappen oder gar Beenden von nationalen Subventionen von fossilen Brennstoffen wurden nicht erreicht.

Zwei der wichtigsten Regierungschefs, was das Klima angeht, der chinesische Präsident Xi Jinping und der russische Präsident Putin – China ist mit Abstand der grösste nationale Treibhausgas-Emittent, Russlands Ökonomie ist komplett vom Export fossiler Brennstoff abhängig – kamen erst gar nicht nach Glasgow (angeblich wegen Corona).

Wir sehen, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche 26. Klimakonferenz waren alles andere als vielversprechend, und dies nach Veröffentlichung des ersten Teil des CMIP6-Reports des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Anfang August 2021 und den nahezu zeitgleich stattgefunden katastrophalen globalen Klimawochen mit Überschwemmung in Deutschland und der Schweiz, extremer Hitze in Kanada und dem Nordwesten der USA, Hitzerekorde in Nord- und Südeuropa, massive Feuer in der Türkei, und starke Überflutungen in China.

So reagierte die Klimaaktivistin Greta Thunberg auch bereits am 5. November:

„Dies ist nicht länger eine Klimakonferenz. Dies ist jetzt ein Greenwashing-Festival des globalen Nordens, eine zweiwöchige Feier des Business as usual und des Blablabla!“

In Sprechchören drückten sie und viele andere Jugendliche ihre Wut und Enttäuschung über den jahrzehntelang weltweit verschleppten Klimaschutz mit.

Dagegen verkündete der Präsident der Konferenz Alok Sharma, ein britischer Politiker der Tories, die Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow sei der Anfang vom Ende der Kohle. Doch wie stark kann man dieser Tage einem Politiker der Tories heute überhaupt noch Glauben schenken?

Doch tatsächlich wurde in Glasgow einiges konkret beschlossen (und von zahlreichen Ländern auch unterschrieben). Hier die wichtigsten Sachen:

  1. Von entwickelten Ländern wird verlangt, „bis 2030 aus der Kohle auszusteigen, und von allen anderen bis 2040 zu folgen“, sagte der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng. De facto stehen dann aber im Abkommen nicht die festen Daten 2030 und 2040, sondern es heisst darin: „in den 2030er und 2040er Jahren“.
  2. 25 Länder verpflichteten sich dazu, bis Ende 2022 keine finanziellen Mittel mehr für die Finanzierung fossiler Energien bereitzustellen (bisher flossen Jahr für Jahr Hunderte Milliarden Dollar in Subventionen für Kohle, Gas und Öl).
  3. Repräsentanten von 100 Staaten unterzeichneten eine Absichtserklärung, nach der die globale Entwaldung (die insbesondere im tropischen Bereich stattfindet) bis zum Jahr 2030 gestoppt werden soll. Die Unterschreiber verfügen über ca. 85 % der Waldfläche in der Welt. Dafür sollen bis 2025 19.2 Mrd. US-Dollar zur Verfügung stehen.
  4. Mehr als 100 Teilnehmerstaaten folgten der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und acht weiteren Staaten, die 18. September 2021 eine „globale Methan-Verpflichtung“ (Global Methane Pledge) unterzeichnet hatten. Nach ihr wird bis zum Jahr 2030 eine Reduktion der globalen Methan-Emissionen um mindestens 30 % angestrebt (ausgehend vom Niveau 2020).

Doch leider haben die grössten Emittenten von CO2, China, die USA, Indien und Australien, die ersten beiden Punkte gar nicht unterzeichnet (Indien verpflichtete sich, bis 2070 CO2-neutral zu werden). Polen, das noch immer stark von Kohlestrom abhängt, unterzeichnete zunächst, zog sich dann aber nur wenige Stunden später wieder davon zurück. Die drei grössten Methan-Emittenten, Russland, Volksrepublik China und Indien, gehörten nicht zu den Unterzeichnern des dritten Punktes. Und Deutschland war leider nicht unter den Ländern, die den zweiten Punkt unterschrieben (Ergänzung: die Woche darauf aber dann doch unterschrieb, zufällig (?) am 9. November?). Beim ersten hat sich das Land bereits lange vor der Konferenz gesetzlich auf den Ausstieg aus der Kohle für das Jahr 2038 (also weit nach 2030) festgelegt. Dies war leider wieder einmal eine typische deutsche Reaktion der letzten 16 Jahre unter der Regierung Angela Merkels.

Noch diskutieren die Expertenaus allen Ländern untereinander, welche Klimaaktivitäten umgesetzt werden sollen, aber nach den Aussagen der Regierungschefs aus der letzten Woche ist da kaum mehr viel zu erwarten.

[1] COP26 ist auch das 16. Treffen zum Kyoto-Protokoll (CMP 16) und das 5. Treffen nach dem Pariser Abkommen  (CMA 3: nach CMA1, CAM 1-2, CAM 1-3, CMA 2).

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