Wie werden Technologien in der Zukunft vorangetrieben – immer noch durch Wissenschaft und Kapitalismus?

In den 1950er und 1980er Jahren hielt der berühmte Quantenphysiker Richard Feynman zwei Vorträge, die noch heute viel zitiert werden und als Vision und Programm für völlig neue Technologien im 21.Jahrhundert gesehen werden können. Unter dem Titel „There’s Plenty of Room at the Bottom“ beschrieb er 1959, wie zukünftige Technologien auf mikro- und nanoskopischer Ebene funktionieren könnten. Die Ideen seines Vortrags wurden zur Grundlage der heutigen Nanotechnologie. In seiner zweiten visionären Rede im Jahr 1981 entwickelte Feynman die Idee eines Quantencomputers, ebenfalls eine Technologie, die wir möglicherweise schon bald erleben könnten. Ein solcher Computer, in dem subatomare Teilchen zur Datenspeicherung und -verarbeitung eingesetzt werden, basiert im Kern auf bizarren Quanteneigenschaften der beteiligten Teilchen, die eine unvorstellbar höhere Rechengeschwindigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Computern möglich machen.

Mit der Veränderung des Charakters der Wissenschaft durch die Führung der USA sind in den letzten 80 Jahren einige erstaunliche technologische Fortschritte erzielt worden, die letztlich unser modernes Zeitalter erschafft haben. Die Geschwindigkeit, mit der dies geschehen ist, ist erstaunlich. Doch der technologische Fortschritt wird sich in Zukunft noch weiter beschleunigen, wahrscheinlich auch der wissenschaftliche. Die Welt hat sich zwischen 1990 und heute bereits durch Technologien verändert, die viel dramatischere Konsequenzen für unseren Alltag haben als die zwischen 1958 und 1990 entwickelten. Dabei handelt es sich um Technologien, die das Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus vielen Jahren zuvor sind. Es ist schwer vorstellbar, wie die Welt im Jahr 2054 aussehen wird, wenn sie von völlig neuen Technologien angetrieben wird. Gleichzeitig werden wir aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse in den kommenden Jahren vermutlich noch tiefer in die Geheimnisse der Natur eindringen und mehr und mehr erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Noch bevor wir die wissenschaftlichen Umwälzungen, denen wir heute schon ausgesetzt sind, überhaupt verstanden haben, wird der wissenschaftliche Fortschritt der nächsten Jahre und Jahrzehnte viele vermeintliche Gewissheiten – über die Welt und das Universum, über Raum und Zeit, über Materie und Substanz, über Mensch und Natur und nicht zuletzt über uns selbst und unseren Geist – noch einmal dramatisch umgestalten. Letztlich wird aber der technologische Fortschritt – der massgeblich von der Wissenschaft von heute und morgen abhängen wird – unsere aller Zukunft bestimmen. Dabei liegt es auf der Hand, dass wir uns nicht nur wissenschaftlichen und technologischen, sondern auch philosophischen Herausforderungen stellen müssen, d. h. der Frage, wie wir mit den Auswirkungen von Wissenschaft und Technologie, die auch erhebliche ethische Fragen aufwerfen, gesellschaftlich umgehen sollen.

Heutige und möglicherweise noch mehr künftige Erkenntnisse der Wissenschaften werden neue Technologien hervorbringen, die höchstwahrscheinlich noch wichtiger für unser Leben sein werden als die heutigen Technologien. Die folgende Liste umreisst die wahrscheinlichsten potentiellen Schlüsseltechnologien der Zukunft – die oft schon heute in Erscheinung treten. Sie haben eine unbeschreibliche Bedeutung für jedes zukünftige menschliche Individuum, aber auch für die menschliche Zivilisation insgesamt.

  1. Künstliche Intelligenz – Unser Leben kontrollieren oder es für immer verbessern?
  2. Quantencomputer – In der Zukunft millionenfach schnellere Berechnungen oder nur ein Traum der Physiker?
  3. CO2-Neutralität – Können wir in den nächsten Jahren genug alternative Energien erzeugen, um eine Klimakatastrophe zu verhindern?
  4. Kernfusion – Die Lösung unserer Energieprobleme oder nur ein Gegenstand von Jahrhundertträumen?
  5. Genetik – Der Sieg über den Krebs oder die Manipulation der Menschheit?
  6. Internet der Dinge – Neue leistungsfähige industrielle Technologien und intelligente Fabrikation oder ein Eingriff in die gesamte Privatsphäre?
  7. Neuro-Enhancements – Verbesserung unseres Denkens und Handelns oder Übergang von der heutigen Realität in eine neue, fiktive Welt?
  8. Unseren Verstand verstehen – Unser Ich finden oder seine Unauffindbarkeit?
  9. Digitale Algorithmen und Big Data – Neue verbesserte Profile für unser Leben oder Kontrolle des menschlichen Denkens und Handelns?
  10. Nanotechnologie – Erschaffung nützlicher Dinge aus dem „Nichts“ oder Zerstörung unserer Körper?
  11. Stammzellen – Einsatz von Zellen, die alles können, auch für unseren gesamten Körper und Geist?
  12. Biotechnologie – Vom Frosch für den Apotheker bis zum Nanoroboter in unserem Körper, Traum oder Wirklichkeit?
  13. Lebensmitteltechnologie – Nahrung für 10 Milliarden Menschen oder nur eine wissenschaftliche Traumgeschichte?
  14. Synthetisches Leben – Kann der Mensch Gott spielen(?), Teil I
  15. Lebensverlängerung – Kann der Mensch Gott spielen(?), Teil II

Fakt ist: Die Veränderung unserer Welt durch den technischen Fortschritt beschleunigt sich. Bei diesem rasanten Wandel spielt der Kapitalismus eine bedeutende Rolle, indem er den wissenschaftlichen Fortschritt vorantreibt und neue Produkte aufgreift. In der Tat haben Kapitalismus und Wissenschaft seit etwa 1820 und mehr und mehr seit 1960 – als die Wissenschaft technologisch noch produktiver wurde – eine mächtige gemeinsame und sehr produktive Rolle gespielt, um neue hochtechnologische Fortschritte zu produzieren. Wissenschaftliche Forschung (und entsprechendes Wissen) ist somit zu einem entscheidenden Faktor für die heutige Führung eines Unternehmens geworden. Das immer engere Zusammenspiel von Kapitalismus und Wissenschaft führt dazu, dass sich die technologische Landschaft heute wesentlich schneller verändert als je zuvor. Sie wird sich in Zukunft wahrscheinlich mit einer heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeit weiterentwickeln. Werden wir überhaupt in der Lage sein, den technologischen Wandel zu begleiten, indem wir uns auch politisch und gesellschaftlich weiterentwickeln und entsprechende philosophische Reflexionen und Verhaltensnormen erreichen? Wir werden es müssen, um die Risiken und Gefahren der neuen Technologien sowie ihre Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen und Interaktionen zu bewältigen und zu kontrollieren. Aber können wir da überhaupt mithalten?

In seinem 1932 erschienenen Roman Brave New World beschreibt Aldous Huxley eine Gesellschaft, in der die Menschen durch biotechnologische Manipulationen bereits bei der Geburt in verschiedene Kasten sortiert werden und zugleich alle Wünsche, Sehnsüchte und Begierden durch permanenten Konsum, Sex und die Glücksdroge Soma sofort befriedigt werden. Der Roman wird den meisten Lesern in seinen Grundzügen bekannt sein. Weniger bekannt ist das Jahr, in dem Huxley seine Handlung ansiedelt. Es ist das Jahr 2540 n. Chr., mehr als 600 Jahre nach dem Erscheinen des Romans! Selbst der Visionär Huxley konnte nicht ahnen, dass die realen technischen Möglichkeiten dieses Szenario nach nur einem Jahrhundert nicht nur erreichen, sondern weit übertreffen würden. Technologische Anwendungen kommen in rasantem Tempo, die sozialen, philosophischen und ethischen Herausforderungen müssen im gleichen Tempo bewältigt werden, wenn die Menschheit nicht in der von Aldous Huxley beschriebenen dystopischen Welt enden will. Ist das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kapitalismus dafür noch erstrebenswert?

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Technologie und Kapitalismus hat uns in die heutige Lage versetzt, dass wir dabei sind, viele Arten und eventuell auch uns selbst auszurotten. Ob das ein Fortschritt ist? Ein Technikglaube angesichts dessen, was wir durch Technik zerstört haben, ist meiner Meinung nach unbegründet. Und Kapitalismus hat nicht nur die Wissenschaft gefördert, sondern auch die Profitgier, den Egoismus und die globale Ungerechtigkeit. Nur wenn wir mit weniger Kapital und Profit zufrieden sind, wenn wir unsere Freude aus Natur und Mitmenschlichkeit nehmen, nicht an Besitz und Macht, haben wir eine Chance.

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