Es ist mal wieder so weit. Wie jedes Jahr zu Beginn des Herbstes wurden diese Woche die Nobelpreise verkündet. Die Physiker-, Chemiker- und Mediziner-Zunft hält inne und blickt voll Spannung nach Stockholm, wer wohl dieses Jahr ausgezeichnet wird und sich damit in eine Reihe mit den Grossen der Wissenschaftsgeschichte stellen darf (gleiches gilt auch für Politiker und Schriftsteller beim Friedens- und Literaturpreis, sowie für die Ökonomen, auch wenn für letztere von Nobel selbst gar kein Preis ausgeschrieben wurde). Der ein oder andere – leider sind es in der grossen Mehrheit immer noch die Herren der Schöpfung, die geehrt werden – verbringt vielleicht eine schlaflose Nacht in Erwartung des ersehnten Anrufes aus Stockholm, welcher nicht weniger als die Krönung einer in den meisten Fällen bereits aussergewöhnlichen wissenschaftlichen Laufbahn darstellt. Ein Hauch von Oscar liegt also in der Luft. Und wie bei den Filmstars und –Starlets folgen der Bekanntgabe die Diskussionen, wer den Preis verdient hat oder wer ihn alternativ verdient hätte.

In der Physik steht es dieses Jahr ausser Frage, ob der Preis für die Geehrten seine Berechtigung besitzt. Die Entwicklung von Leuchtdioden (kurz LEDs), die blaues Licht aussenden, ist genau eine solche Leistung, die dem Stifter Alfred Nobel vorschwebte, als er den bis heute nach ihm benannten Preis erschuf. Denn in Kombination mit ihren bereits im Gebrauch befindlichen roten und grünen Pendants ermöglichte die Entwicklung der Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura, mit LEDs zuletzt weisses Licht zu erzeugen. Diese technologische Errungenschaft hat in den letzten 20 Jahren zu einer wahren Revolution in der Beleuchtungstechnologie geführt. Denn LED-Lichtquellen besitzen gegenüber anderen Lichtquellen eine ausgesprochen hohe Energieeffizienz und tragen zudem keine giftigen Stoffe in sich wie andere Energiesparlampen. Sie liefern somit einen direkten Beitrag zur Energieeinsparung. Nicht sehr oft ist der Einfluss einer Forschungsleistung in den letzten Jahren mit dem Nobelpreis beehrt worden, die einen derart direkten nutzbringenden Einfluss auf unser alltägliches Leben hat.

So führt uns der diesjährige Physik-Nobelpreis auch vor Augen, welche gewaltigen Auswirkungen der wissenschaftlich technologische Fortschritt auf unser aller Leben hat. Das Wort „LED“ kennen wir heute fast so gut wie die gute alte (und wohl bald ausgemusterte) Glühbirne. Dass diese Technologie noch keine 20 Jahre alt ist, haben sicher nur die wenigsten von uns vermutet. Es ist sicher von Nutzen, uns ab und an der Rasanz der Entwicklungen in den Wissenschaften bewusst zu werden. Denn zwischen unserer modernen Lebenspraxis und dem oft atemberaubenden naturwissenschaftlich-technologischen Fortschritt, der sich direkt von unseren Augen abspielt, bestehen weit aufregendere Verbindungen als es uns die alltäglich auf uns einhämmernden Nachrichten von wirtschaftlichen Krisen, politischen Treffen oder bewegenden Sportereignissen suggerieren. Bei genauerer Betrachtung vermögen wir gar eine beunruhigende Dichotomie zu erfassen: Trotz der prägenden Kraft der wissenschaftliche-technologischen Entwicklung ist das Bewusstsein für den Entwicklungsstand der Wissenschaften unter gesellschaftlichen Entscheidungsträgern und Intellektuellen Meinungsführern erstaunlich, um nicht zu sagen erschreckend, gering. Wie wenig sind diese über den Werdegang der Wissenschaft und den erst mit ihr möglich gewordenen Technologien informiert, wie diese in ihrer Methodik seit dem 17. Jahrhundert entstanden sind und den historisch beispiellosen Wohlstand in all den Gesellschaften, die ihre Methoden der Naturerkennens annahmen, erst ermöglichte, den wir heute als so selbstverständlich hinnehmen. Wie schön, dass wir dann zuweilen wenigstens bei der Verleihung der Nobelpreise daran erinnert werden. Genauso ist das alljährliche Hollywood-Spektakel im März auch für diejenigen, die sich nicht allwöchentlich über die filmischen Neuerscheinungen informieren, von Interesse, wenn sie sich an einem Sonntagabend darüber Gedanken machen, welchen Film sie sich im Kino anschauen wollen. Dabei zeichnet sich die Entwicklung in den Naturwissenschaften oft durch eine Dramatik aus, die so manchen Thriller in den Schatten stellt.

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