In Mk 2, 1-12 (Mt. 9, 1-8, Lu 5, 17-26) heilt Jesus von Nazareth einen Gelähmten: „Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg.“ Was den Christen aller Welt seit zwei Jahrtausenden als biblisches Wunder gilt, bewegt sich heute immer mehr in den Bereich des wissenschaftlich-technischen Machbaren. Mit dem wachsenden Verständnis der Funktionsweise unseres zentralen Nervensystems rückt die Steuerung unserer Körperbewegungen von aussen – sowie auch die unseres Denkens und Fühlens – in Reichweite technologischer Anwendungen. Längst steht die Interaktion unseres Gehirns mit Maschinen mittels so genannter „Brain Computer Interfaces“ auf der Agenda der Hirnforscher und -technologen. So faszinierend dieses neue Technologiefeld ist, so vielfältig. sind seine Ziele: Von therapeutischer Behandlung von Hirnerkrankungen, Körperlähmung oder Gemütsverfinsterungen über Veränderungen unserer Emotionen bis zur Steigerung unserer körperlichen und intellektuellen Leistungsfähigkeit.

Vor allem Patienten wie Taube, Blinde, Gelähmte, Querschnittsgelähmte und Menschen mit Gedächtnisproblemen werden von den neuesten Entwicklungen des Zusammenspiels von Neurobiologie und Computern profitieren. Erste Schnittstellen, die über Elektroden elektrische Impulse in das Hörzentrum unseres Gehirns abgeben (so genannte Cochlea-Implantate), wurden tauben Patienten bereits vor 40 Jahren eingesetzt. Doch unterdessen ist auch die Übertragung von konkreten Informationen aus dem Gehirn auf eine Maschine gelungen. Die Signale dutzender Neuronen der für die Koordinierung von Körperbewegungen verantwortlichen motorischen Hirnrinde lassen sich „lesen“, was es Querschnittsgelähmten ermöglicht, Prothesen per Gedankenkraft zu steuern. Seit ein paar Jahren ist es möglich, Twitter-Nachrichten durch Aufzeichnen der entsprechenden Gedanken in einem EEG zu versenden. Die Möglichkeit, einen nahezu vollständig gelähmten Menschen wieder gehen oder einen Twitter-Text nur mit unseren Gedanken zu schreiben, beruht auf der Erkenntnis, dass alleine geistigste Vorstellungen von Bewegungen und Handlungen ausreichen, um die Hirnaktivität messbar zu verändern. So führt die Vorstellung, den linken Fuss zu bewegen, zu einem anderen Aktivierungsmuster, als die Vorstellung, die rechte Hand zu bewegen.

Wo manifestiert sich die Fantasie über möglichen Zukunftstechnologien wie diese stärker als im Silicon Valley? Der Unternehmer und Visionär Elon Musk hat nun die ersten erfolgreichen Meilensteine seiner neuen Firma Neuralink vorgestellt. Dabei gab er der Öffentlichkeit eine detaillierte technische Beschreibung der Hardware hinter Neuralinks neuer Gehirn-Computer-Schnittstelle, die mittels eines kleinen operativen Eingriffs durch die Schädeldecke in das menschliche Gehirn implantiert werden soll. Der gerade einmal 4x4mm grosse Chip besteht aus Dutzenden sehr dünner Kabel, die Signale aus dem Gehirn sammeln und diese Informationen auf einen Computer übertragen. Die winzige Sonde enthält mehr als 3.000 Elektroden, die die Aktivität von über 1.000 Neuronen aufzeichnen können. Laut Musk war damit ein Affe in der Lage, einen Computer mit seinen Gedanken zu steuern. Das Unternehmen hat bereits bei den US-Regulierungsbehörden beantragt, erste Studien mit gelähmten Menschen zu beginnen. Doch Musks Visionen gehen weit darüber hinaus: Er beschreibt eine zukünftige „übermenschliche Kognition“, in der solche Schnittstellen genutzt werden, beispielsweise um Smartphones und andere Geräte zu steuern. Als letztendliches Ziel beschreibt Musk jedoch die „Symbiose unseres Gehirns mit künstlicher Intelligenz“.

Auch unsere Emotionen sind unterdessen Ziel der Forschungsbemühungen auf diesem Gebiet. Waren auch hier Ausgangspunkt medizinisch-therapeutische Aspekte, so besitzen nach Meinung zahlreicher Hirnforscher „Neurochips“, welche die Gemütsverfassung verbessern, das Wohlempfinden anheben, die Intelligenz steigern oder gar dauerhafte Glückseligkeit versprechen, ein besonders grosses Entwicklungspotenzial. Unter dem schlagenden Begriff „Hirndoping“ haben die Medien das Thema der mikroelektrischen Manipulation unseres Gehirns längst aufgegriffen.

Noch sind solche „Chips im Gehirn“, die auf Knopfdruck intelligenter, aufmerksamer oder glücklicher machen, Utopie. Doch weitere Schritte in Richtung Digitalisierung unseres Körpers und Geistes sind nicht nur realistisch, sondern ihre Entwicklung ist längst eingeleitet. Sie könnten unseren Alltag sowie unser Welt- und Menschenbild bedeutend stärker verändern als alle philosophische Lehren, psychologische Theorien oder spirituelle Praktiken der Gegenwart und Vergangenheit.


In Mark 2: 1-12 (Mt 9: 1-8, Lu 5: 17-26) Jesus of Nazareth heals a paralytic: „I tell you, get up, take your mat and go home. He got up, took his mat and walked out in full view of them all”. What for two millennia has been presented to Christians around the world as a biblical miracle, today moves more and more into the realm of scientific and technical feasibility. With the growing understanding of how our central nervous system operates, the question arises whether the control of body movements – as well as our thinking as well as emotions –can be technically achieved with the help of out-of-the body-devices. Thus, the interaction of the brain with machines through so called “brain-computer interfaces“ is already on the agenda of neuroscientists and brain technologists. As fascinating as this new technological field is, as diverse are its goals, ranging from therapeutic treatment of brain disorders, body paralysis or emotional distress, to changing our feelings and increasing our very physical and intellectual performance.

Above all, patients such as deaf, blind, paralyzed, paraplegic and people with memory problems will benefit the most from the latest developments in the interplay of neurobiology and computers. First interfaces that emit electrical signals via electrodes into the brain (so called Cochlea-implants) were introduced to deaf patients already some 40 years ago. But the interaction of our brain with machines also for healthy people in order to improve their intellectual abilities such as memory and speed of thought has for long been on the agenda of neuroscientists. Meanwhile the transfer of real informational content from the brain onto a machine has been achieved. The signals of dozens of neurons in the motor cortex (responsible for the coordination of body movements) can be read which potentially enables paraplegics to control prostheses by the mere power of their thought. .For a few years it has been possible to send Twitter messages by recording the respective thoughts in an EEG. The possibility to enable an almost completely paralyzed person to walk again or to a write Twitter message solely by thinking about it is based on the realization that the mere mental ideas of movements or actions are sufficient to measurably alter brain activity. Thus the idea of moving the left foot leads to a different activation patterns than the idea of moving the right hand.

Where does the fantasy about such possible future technologies manifest itself more strongly than in Silicon Valley? Entrepreneur and visionary Elon Musk has now presented the first successful milestones of his new company Neuralink. He gave the public a detailed technical description of the hardware behind Neuralink’s new brain-computer interface, which is to be implanted into the human brain by a small surgical intervention through the skull. The 4x4mm chip consists of dozens of very thin cables that collect signals from the brain and transmit this information to a computer. The tiny probe contains more than 3,000 electrodes that can record the activity of more than 1,000 neurons. According to Musk, a monkey had thus been able to control a computer with his thoughts. The company has requested permission from the US regulatory authorities to begin initial studies with paralyzed people. But Musk’s visions go far beyond that: He describes a future „superhuman cognition“ in which such interfaces are used, to for example control smartphones and other devices without touching them. Musk’s ultimate goal, however, is the „symbiosis of our brain with artificial intelligence”.

Also our emotions have increasingly become a target of research efforts in the field. While medical and therapeutic aspects have also here been the base of scientific endeavors, according to many neuroscientists a particularly great potential for application to healthy people are “neurochips” which promise to improve the mood, foster wellbeing, increase intelligence, or even promote permanent happiness. Under the resounding phrase “brain doping” the public media have already picked up on the issue of electrical manipulation of the brain.

So far those “chips in the brain” that upon a “push of a button” make us more smart, attentive or happy remain a utopia. But further steps towards mechanization and digitalization of our bodies and minds are not only realistic, but have already been initiated. They have the potential to change our lives and our views on the world and on human nature much more significantly than all philosophical doctrines, psychological theories or spiritual practices of the past and present.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.